Darf ich vorstellen? Oskar – mein Verstand!

Mein Verstand heißt Oskar und ist eigentlich ein ganz toller, nützlicher Kerl. Er rechnet und schreibt, organisiert und archiviert. Er ist mein überaus geschätzter Helfer!

Doch aufgepasst: manchmal ist er ein echter Schisser!

Auf der einen Seite ist das sehr okay, denn er weiß, wann ich es wagen kann, über die Straße zu gehen.

Allerdings fällt es ihm auch auf der anderen Seite überaus schwer, mir zu erlauben, mich zu verändern und neue Erfahrungen in meinem Leben zu machen. Es fällt ihm schwer, mir zu erlauben, neue Lebenswege zu gehen.

Oskar hat dann Angst und zweifelt!

Er möchte am allerliebsten, dass ich dort bleibe, wo ich bin. Er möchte, dass ICH dort bleibe, wo ER die Dinge kennt, wo ER sich auskennt und genau weiß, was zu tun ist!

Ihn interessiert nicht, wenn mich mein Leben langweilt!

Ihn interessiert nicht, wenn mich mein Leben ausbrennt!

Ihn interessiert nicht, wenn ich mich frage, was noch alles geht in meinem Leben!

Ihn interessiert nicht, wenn ich einem Impuls folgen möchte und mich aufmache, um andere Wege zu beschreiten!

Er hat Angst und windet sich, er schreit und meckert: „Tu das nicht! Bitte, bitte nicht! Du weißt doch gar nicht, was Dich erwartet. Du könntest scheitern, Dir wehtun. Du könntest fallen! Bitte bleib doch dort, wo Du alles kennst!“

Ein paarmal hatte ich schon den Impuls, etwas ändern zu wollen in meinem Leben.

Doch jedes Mal, wenn ich etwas ändern wollte, hatte Oskar das Stopp-Schild gehoben. „ Das geht nicht, das schaffst Du nie! Wer weiß, was dann passiert?“, schimpfte er.

Ich glaubte ihm und blieb stehen.

Meinem letzten Impuls allerdings folgte ich!

Ich gab vor einem Jahr meinen Bürojob auf, um mir eine Auszeit zu nehmen. Seit etlichen Jahren wusste ich bereits, dass mich mein Bürojob nicht erfüllt, wagte aber nie, auszusteigen. Oskar hatte IMMER Argumente DAGEGEN.

Trotzdem hab ich es diesmal gemacht und nicht auf ihn gehört!

Superschwer war das, weil er sich ständig beschwerte und jammerte. Er zweifelte, erzählte mir, dass ich nicht gut genug sei und allerlei mehr… Es kam mir vor, als hätte ich einen Helm aus Stahl auf meinem Kopf. Trotzdem folgte ich meiner Intuition, kündigte meinen Job, nahm eine Auszeit und schreibe jetzt meine Gedanken, Impulse und Gefühle über das Leben, über mein Leben auf. Ich schreibe, weil es mir ein Bedürfnis ist, rauszulassen, was in mich reinkommt.

Aber auch hier mischt sich Oskar immer mal wieder ein! Er wird dann ganz panisch und erzählt mir: „Behalte das lieber für Dich! Wer will das schon wissen? Vielleicht gibt es Menschen, die das lesen und dich kritisieren!“

Und dennoch mache ich es!

Denn mittlerweile habe ich realisiert, dass ich NICHT mein Verstand bin!

Ganz oft identifizieren wir uns mit unserem Verstand und verwechseln ihn mit uns. Doch der Verstand ist nichts weiter als unser Gedankenkonstrukt. Um dies nicht zu vergessen, um meinen Verstand von meinem Ich zu trennen, habe ich ihm einen Namen gegeben! – Oskar –

Ich beobachte Oskar jetzt haarscharf. Das ist eine echte Herausforderung. Immer wieder mache ich mir klar, dass es nur der Verstand ist, der mich kritisiert, mit mir schimpft oder zweifelt und immer mehr nehme ich dies auch wahr, immer mehr trennt sich Oskar von mir.

Und wenn ich ihn ertappe, dass er wieder mal ganz ängstlich wird, weil ich etwas mache, das er noch nicht kennt, dann sage ich ihm: „Oskar , es ist an der Zeit für Dich, einfach mal ruhig zu sein! Ich mache es sowieso, ob du zweifelst oder nicht. Du kannst so laut plappern, wie du möchtest, aber konzentriere dich doch lieber auf die Arbeit, die du verstehst! Und wenn ich scheitern sollte, wenn ich falle, dann stehe ich eben wieder auf!“

Ich habe den Spieß einfach umgedreht!

Mein Verstand bestimmt nicht mehr MEIN Leben, sondern ICH bestimme meinen Verstand.

 

Text: Birgit Keup

Foto: Pixabay

-TEILEN ERWÜNSCHT-

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