Die (Heil-) Kraft des Waldes

Früher, als Kind, haben mich meine Großeltern fast jeden Sonntag mit in den Wald genommen. Sonntag war für mich der schönste Wochentag und ich sehnte ihn bereits am Anfang der Woche herbei. Egal ob Sonnenschein, Regen oder Schnee, egal zu welcher Jahreszeit – sonntags ging es in den Wald!

Ich liebte diese Spaziergänge mit dem Geruch und dem besonderen Klang des Waldes. Die Stille, der Frieden, aber auch die vielen Geräusche: singende Vögel, ein plätschernder Bach, die Bäume im Wind….

Damals habe ich intuitiv gespürt, dass der Wald besonders ist.

Dass er bereit ist, Ruhe, Stille und Ausgeglichenheit zu geben; eben das, was wir in unserer hektischen Welt, vollgepackt mit Geräuschen, Hektik, Stress und Zwängen, leicht verlieren.

Ich habe damals den Wald und seine Wirkung in mich eingesogen. Achtsam gehört, gesehen und gerochen. Geliebt und genossen.

Wenn man in einen Wald eintritt, so ist es, als trete man in das Innere einer Seele. (Paul Claudel)

Kein Wunder, dass ich den Wald als heilsam empfunden habe, denn dass ist er ja auch:

Sauerstoff

Wie viel Sauerstoff ein Baum produziert, hängt von dem Durchmesser der Krone ab. Eine 150 Jahre alte Buche zum Beispiel hat ungefähr 800.000 Blätter und produziert täglich Sauerstoff für ca. 26 Menschen!

Feuchtigkeit

Bäume holen Wasser aus über 100 Metern Tiefe und verdunsten das meiste über ihre Blätter. 70% des Wassers, welches in Europa verdunstet, stammt aus Blättern! Der Wald funktioniert wie eine Klimaanlage, er kühlt, filtert und befeuchtet im Sommer die heißen Städte!

Duftstoffe

Bäume produzieren Duftstoffe, um Schädlinge zu vertreiben. Diese Duftstoffe aktivieren beim Menschen die Produktion von Killerzellen, welche insbesondere bei Brust-, Lungen- und Darmkrebs aktiv werden!

Luftfilter

Die Blätter unserer Bäume filtern Bakterien, Pilzsporen und Staub.

Mikroben

Auf einem Quadratzentimeter Blatt befinden sich bis zu 10 Millionen Bakterien. Wir kommen mit ihnen beim Aufenthalt im Wald automatisch in Kontakt, da sie quasi auf uns herabrieseln. Diese Bakterien schützen uns vor Allergien und stärken unser Immunsystem.

Krass und beeindruckend, oder!?!

Auch heute mache ich oft Ausflüge in den Wald. In der besonderen Stille sitze und spüre ich. In der besonderen Stille lebe ich auf.

Es ist ein wunderbares Gefühl, wenn im Herbst die Blätter unter den Schritten rascheln und mit jedem Windzug die Bäume ihr Kleid verlieren. Es ist wunderschön, die Farben des Herbstes zu genießen!

Oder im Winter, wenn Schnee liegt und Fußstapfen in den Weg gestampft werden. Alles kling gedämpft und wirkt so friedlich.

Im Frühling, wenn sich das zarte Grün auf den Bäumen und Sträuchern ausbreitet, oder im Sommer, wenn der Wald kühlt und sein Blätterdach vor der Sonne schützt, ist es wundervoll dort.

Der Wald hat eine besondere, magische Kraft!

Hast Du auch Lust auf mehr Wald bekommen?

Versuche bei einem Waldspaziergang mal, den Weg bewusst zu verlassen, das Handy nicht zu benutzen und achtsam zu laufen!

Versuche, keine bestimmte Strecke zurückzulegen. Gehe einfach, wohin es Dich verschlägt, setze Dich, wenn Dir danach ist und nimm den Wald in Dich auf. Werde ganz bewusst.

Glaube mir, denn ich habe es erfahren, du wirst mehr in den Wäldern finden als in den Büchern. Bäume und Steine werden dich lehren, was du von keinem Lehrmeister hörst. (Bernhard von Clairvaux)

Was hörst Du?

Hörst Du Das Rascheln der Blätter im Wind und das Knarren der Bäume? Hörst Du das Zwitschern der Vögel oder das Klopfen eines Spechts?

Was siehst Du?

Siehst Du die zarte Blume, die sich durch das Herbstlaub wühlt und das Moos welches auf einem herabgefallenen Ast wuchert? Siehst Du den Himmel oder die Sonne durch das Blätterdach?

Was riechst Du?

Riechst Du das Laub, welches bereits abgefallen ist und anfängt zu modern? Riechst Du vielleicht die Frische eines nahegelegenen Baches oder nimmst Du den Geruch von feuchter Erde wahr?

Was fühlst Du?

Fühlst Du die rauhe Rinde eines Baumes? Die kalte Oberfläche eines Steins oder fühlst Du das warme Moos auf dem Waldboden? Fühlst Du vielleicht weiches Gras?

Versuche mit all Deinen Sinnen im Wald präsent zu sein!

Beobachte, nimm wahr und genieße!

Dein Stresspegel senkt sich, das Gedankenkarussell lässt nach und Du tankst mit jedem Atemzug neue Kraft!

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