Du bist gut so, wie Du bist!

Am 31.12.2016 habe ich voller Euphorie meinen Job gekündigt. Ohne Ersparnisse und ohne Sicherheiten bin ich in die Arbeitslosigkeit gegangen. Ich hatte die Nase voll von meinem Job, den ich in meinen Augen schon viel zu lange ausübte.

Voller Freude und Tatendrang war ich. Ich wollte Coach werden, meine Lebensgeschichte weitergeben und Menschen helfen, Glück und Liebe in ihr Leben zu holen. Menschen zeigen, wie sie einen Weg heraus, aus Depressionen und Süchte finden, denn das hatte ich doch selbst geschafft!

Am 01.01.2017, der erste Tag ohne Job, war ich wie gelähmt. Ich wusste nicht, wie und wo ich anfangen sollte und hatte wahnsinnige Existenzängste. Gedanken wie: „Da hast Du Dir wohl ein bisschen zu viel vorgenommen!“ und: „War doch klar, dass Du das nicht schaffst!“, ließen mich monatelang nicht los und machten mich bewegungsunfähig.

Immer wieder überkam mich der Gedanke, dass ich nichts wert sei, so ganz ohne Job, so ganz ohne Erfolg. Ich fühlte mich nackt, war völlig ohne Motivation und sicher, dass ich es nicht geschafft habe und niemals schaffen werde, auf der Sonnenseite des Lebens anzukommen! Ich nahm mich als gescheitert wahr!

Voller Neid schaute ich auf Menschen, die es in meinen Augen „geschafft“ hatten, ohne diesen Menschen jemals begegnet zu sein. Ich fühlte mich schlapp und mutlos.

In unserer westlichen Welt besteht unser Leben zum größten Teil daraus, dringend etwas tun zu müssen und auf jeden Fall besser zu sein, als die anderen.

Wenn wir nicht produzieren oder konsumieren, haben wir das Gefühl, nichts wert zu sein!

Wir haben das Gefühl, immer leisten und funktionieren zu müssen. Ob im Job, in unserer Beziehung, in der Familie, bei Freunden, ganz egal wo, wir hecheln durchs Leben. Uns kommt gar nicht in den Sinn, dass es auch okay ist, mal nichts zu tun und auszuspannen und eben halt mal nicht zu funktionieren.

Das ganze „Wertlos-Ding“ geht noch weiter!

Hast Du das auch schon mal erlebt? Du bist mit Freunden zusammen, schaust Fern, sitzt in einem Meeting oder in der U-Bahn, ganz egal, wo Du Dich gerade befindest, auf einmal kriechen fiese, hinterhältige Gedanken in Dir hoch: „Du kannst doch sowieso nichts, da Du im Grunde ein echter Verlierer bist!”, “Was hast Du in Deinem Leben denn schon auf die Beine gestellt?“

Krass, wenn wir davon ausgehen, dass dieser Gedanke wahrscheinlich schon einmal jeder Mensch dachte!

Aber keiner lässt sich etwas anmerken. Alle tragen die Maske der Unfehlbarkeit, damit der andere ja nicht merkt, dass man eigentlich nicht gut genug für dieses Leben ist (was natürlich nicht wahr, sondern ein Gedanke ist). Ständig sind wir bestrebt, anderen nur die gute Seite von uns zu zeigen! Die Seite, an der es keine Fehler gibt. Alle geben sich die selbe Mühe! Fast lustig, wenn man darüber nachdenkt!

Wir jagen irgendwelchen Trophäen  hinterher, in der Hoffnung, uns dann besser oder wertvoller zu fühlen. Das funktioniert allerdings nur für sehr kurze Zeit, denn wir nehmen uns selbst überall hin mit!

Ich würde mir wünschen, dass wir irgendwann so mutig werden und die Maske einfach fallen lassen!

Uns dann so zeigen, wie wir sind, mit all unseren Schwächen, mit unserem Leid und unserer Angst. Denn das gehört genauso zu uns, wie unsere Stärke, Freude und Liebe.

Wenn wir uns zeigen würden, wie wir sind, keine Angst mehr vor Verurteilungen haben müssten und uns erlauben könnten, auch mal scheitern zu dürfen, würde es unserer Gesellschaft im Ganzen viel besser gehen.

Wir müssten uns nicht mehr durchbeißen, das Leben wäre kein Kampf mehr und die Ellbogen würden weniger benutzt werden.

Wir könnten einfach so sein, wie wir sind. Denn das ist immer gut genug!

Falls es Dir im Moment echt dreckig geht, Du Dich nicht gut genug fühlst und keine Ahnung hast, wie Du Dich jemals wertvoll fühlen solltest, habe ich drei kleine Tipps für Dich:

 

  • Schaue Dir morgens im Badezimmerspigel fest in die Augen, sprich mit Dir und sage: „Ich liebe Dich“.
    Am Anfang wird Dir diese Übung vielleicht künstlich vorkommen, aber je öfter Du dies tust, desto mehr erkennst Du Dich an!

 

  • Klebe Dir kleine Zettel dorthin, wo sie Dich am besten erreichen: an den Kühlschrank, den Badezimmerspiegel, oder an den Schreibtisch. Schreibe liebevolle Botschaften an Dich: “Ich liebe mich!“, „Ich bin genug!“, „Ich bin wertvoll!“, oder „Ich bin gut so, wie ich bin!“. Immer wenn Du an den Zetteln vorbei gehst, bekommst Du eine liebevolle Nachricht von Dir.

 

  • Versuche, Deine Schatten anzunehmen und gib nicht auf, wenn es beim ersten Mal nicht klappt. Jeder Mensch hat Schattenseiten, Ängste und Nöte. Jeder Mensch macht Fehler. Erkenne Deine Schattenseiten und werfe Licht darauf. Fange an, auch diese Seiten an Dir zu lieben. Sie sind ein Teil von Dir, sie gehören zu Dir. Solange Du sie zudeckst und nicht anerkennst und immer wieder eine Maske aufsetzt, kannst Du nicht erkennen, wer Du wirklich bist. Du kannst dann nicht erkennen, dass Du „ganz“ bist und niemals zerbrochen.

 

Wenn Du Dich so annimmst, wie Du bist, bist Du vielleicht auch bereit, die Höhen und Tiefen der anderen zu sehen! Vielleicht bist Du dann bereit, nicht sofort zu urteilen, sondern lernst zuzuhören, innezuhalten und wahrzunehmen, dass der andere auch aus Höhen und Tiefen besteht.

Kehre zurück zu Dir selbst und erkenne Dich an, mit allem was Du bist!

 

Nun nochmal zu mir:

Mein “Nichtstunkönnen” habe ich irgendwann akzeptiert und hatte nicht mehr das Gefühl, mich überall rechtfertigen zu müssen. Mit dieser Akzeptanz für mich selbst, habe ich entschieden, erst einmal nur zu schreiben, um Menschen zu motivieren, ihr Leben aus einem anderen Blickwinkel zu sehen, noch kein Coaching anzubieten und einfach alles andere auf mich zukommen zu lassen. Am Anfang fühlten sich die Artikel, die ich schrieb, noch sehr holprig und fremd an, doch sie verschmelzen immer mehr mit mir und meiner Essenz.

Ich habe akzeptiert, einen Schritt nach dem anderen zu gehen und diese Schritte, auch wenn sie sich noch so klein anfühlen, zu feiern und anzuerkennen!

Und ich habe angefangen, meine Maske fallen zu lassen!

 

 

Foto: Pixabay/mental-health

Fotograf: jdalton 1216

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