Lass los und mach Dein Herz frei!

Jahrzehntelang schleppte ich Sachen mit mir rum, die ich nicht mehr brauchte: Das schöne Sommerkleid, welches mir schon lange nicht mehr passte, oder irgendwelche Dinge, die in Kartons im Keller verpackt waren, oder das wunderbare Bettgestell, von dem ich mich nicht trennen konnte und von Wohnung zu Wohnung mitnahm. So sammelten sich Jahr für Jahr Gegenstände und Sachen an….

Unbrauchbares mistete ich nicht aus und viel Unnötiges kam dazu!

Doch nicht nur von Gegenständen konnte ich mich schlecht trennen, sondern auch von Wut und Enttäuschung, die ich gegen andere Personen hegte.

Jahrelang schleppte ich mit mir herum, was ich glaubte, das mir Menschen angetan haben. Besonders meine Eltern hatte ich im Gepäck. Ich konnte einfach nicht verzeihen, dass sie mir das Gefühl gegeben haben, als Kind nicht richtig zu sein. Ich konnte nicht verzeihen, dass sie mir aus meiner Sicht keine Liebe, keine innige Umarmung gegeben haben. Ständig kamen Situationen aus meiner Kindheit und Jugend in mir hoch.

Ich fühlte mich missverstanden und alleine gelassen!

Dies alles packte ich in meinen Rucksack. Und ich hatte nicht nur meine Eltern im Gepäck!

Nein, natürlich nicht!

Ich packte alle Menschen, von denen ich mich schlecht und ungerecht behandelt fühlte, dort hinein. Im Laufe der Jahre merkte ich gar nicht, dass mein Rucksack der Wut und Enttäuschung schwerer und schwerer wurde und ich immer schwerfälliger durchs Leben kroch.

Meine Gedanken, mein Fühlen, mein ganzes Leben war auf diese Wut ausgerichtet. Es wurde dunkler um mich herum, die Wolken, die mich umgaben, wurden schwarz und zogen sich zu.

Irgendwann war kein Licht mehr zu sehen.

Ich sah keinen Sinn mehr in meinem Leben, welches nur aus Dunkelheit, Angst und Wut bestand. Ich fühlte mich unfrei und gefangen. Jeden Tag stand ich mit einem flauen Gefühl im Magen auf. Das Leben konnte ich nicht genießen. Ich verfluchte jeden neuen Tag!

Bis ich fiel und zusammenbrach…Wie in einem Albtraum befand ich mich auf einmal in freiem Fall. Ich fiel und fiel, schlug auf den Boden auf und blieb liegen….Schwere Depressionen – die Dunkelheit hatte mich verschlungen.

Es dauerte, bis ich wieder einigermaßen auf die Füße kam und ein bisschen klarer denken konnte. Nach dieser Zeit fasste ich die beste Entscheidung meines Lebens! Ich weiß nicht, was mich dazu bewogen hat, es kam aus einem Impuls heraus.

Ich entschied, dass ich so nicht weitermachen wollte.

Ich entschied, aufzustehen.

Ich entschied, die Richtung zu ändern.

Ich entschied mich für das Licht.

Alles tat ich, um ein kleines Licht zu zünden, das mir den Weg aus der Dunkelheit leuchten sollte.

Viele Bücher las ich in dieser Zeit, besuchte Kurse, ging raus in die Natur.

Und Stück für Stück ging es mir besser.

Doch eine gewisse Schwere blieb.

Das Licht wurde immer sichtbarer, trotzdem fehlte etwas, trotzdem wachte ich morgens immer noch mit diesem unguten Gefühl auf.

Und heute – genau an diesem Tag, am 05.01.2018, kam ich auf das, was fehlte!

Ich hatte mein Herz noch nicht freigemacht…

Auf meinem Herz lastete immer noch so viel Groll und Wut. Ich dachte, ich hätte das in den vergangen Jahren irgendwie aufgearbeitet. Mir mein inneres Kind angeschaut, meine verletzte Seele… Doch ein Rest blieb übrig. Dieser Rest lag immer noch auf meinem Herzen. Offensichtlich hatte ich noch nicht wirklich die Entscheidung getroffen, meinen Groll loszulassen.

Mein innerer Raum war teilweise noch immer mit Dunkelheit gefüllt. Immer noch blickte ich oft mit finsterer Miene auf die Menschen, von denen ich mich missverstanden und schlecht behandelt fühlte.

Also fällte ich heute bewusst die Entscheidung: Ich mache mein Herz frei…Ich lasse los…

Ich befreunde mich im Geiste mit den Menschen, die Wut in mir erzeugen, da diese Wut MEINE ist und MICH beschwert.

Ich trage die Wut mit mir herum und kein anderer, außer mir, weiß davon. Und glaubt mir, an Wut und Enttäuschung trägt man schwer.

Ach, ich gehe einfach noch einen Schritt weiter: ich befreunde mich nicht nur mit diesen Menschen – ich transformiere Wut in Liebe.

Ein wunderbares Gefühl, nicht mehr auf Menschen böse sein zu „müssen“. Es fühlt sich so leicht an.

Ich fühle, wie mein beschwertes Herz frei wird und wieder atmen kann. Mein innerer Raum fühlt sich weit und grenzenlos an.

Es gibt ganz viele „Techniken“ zum Loslassen. Eine davon, Ho’oponopono habe ich in einem meiner Artikel beschrieben und auch angewendet. Bis heute war ich der Meinung, dass sie gut funktioniert.

Was ich aber vergaß war, eine bewusste Entscheidung zu treffen.

Die Entscheidung, dass ich es ernst meine!

Die Entscheidung, alles, aber auch wirklich alles, was ich an Wut noch in meinem Inneren habe, gehen zu lassen!

Ich habe gelernt: wenn ich loslassen möchte, lasse ich los mit einem Versprechen, mit einer Entscheidung, ohne Wenn und Aber, ohne Kompromisse!

Ach und eh ich’s vergesse: die vielen Sachen, die sich noch in meinem Keller türmen, miste ich nach und nach aus, damit auch hier Raum und Freiheit entstehen kann. Ich habe bereits damit angefangen….

 

Text: Birgit Keup

Foto: Pixabay

 

– TEILEN ERWÜNSCHT-

 

6 Comments

  1. Sylvia

    Liebe Birgit, so schön zum Lesen deine Geschichte. Mit Leichtigkeit konnte ich Wort für Wort lesen und aufnehmen. Danke. ❤️

  2. Susanne

    Liebe Birgit,

    Du schreibst soo gut!!
    Ich kann es so gut nachfühlen!
    Mein Herz ist auch manchmal schwer…. gefüllt mit Trauer, Neid, nicht zugehörig fühlen,…und noch so manchem.
    Es braucht eine klare Entscheidung!
    Vielen Dank für Dich!
    Susanne

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