Schritt für Schritt…

Als ich bemerkte, dass ich in meinem Leben irgendwie auf’s falsche Pferd gesetzt hatte…

Als ich bemerkte, dass ich einem Irrtum aufsaß, in dem ich dachte, dass ich tot sein möchte…

Als ich bemerkte, dass ich die Grenzen der Belastbarkeit meiner psychischen und physischen Schmerzen erreichte…

Als ich bemerkte, dass ich meine Schmerzen auch fühlen darf, anstatt sie ständig wegzudrücken…

Als ich bemerkte, dass ich mit dem Fühlen auch irgendwie immer mehr Bewusstsein entwickelte…

Als ich bemerkte, dass es in diesem Leben um das einfache Sein geht, und zwar in jedem einzelnen Moment…

traf ich eine Entscheidung!

Ich traf die Entscheidung, eine andere Richtung einzuschlagen. Eine Richtung, die mich in ein erfüllteres Leben führen sollte.

Jahrelang arbeitete ich an mir, las Bücher, von denen ich mir Hilfe versprach, meditierte, absolvierte einen Achtsamkeitskurs, machte eine Seelencoachausbildung, lernte Yoga und ging jeden Tag in die Natur. Ich tat alles dafür, meine Entscheidung für ein anderes, ein bewussteres Leben zu bekräftigen.

Und täglich wartete ich auf Erleuchtung, auf Erleichterung. Täglich erwartete ich, dass ich aufwachte und getragen auf einer rosaroten Wolke federleicht durch die Lüfte schwingen würde. 🙂

Allerdings wachte ich immer im gleichen Bett auf!

Zwar mit immer anderen Gefühlen, aber irgendwie immer das gleiche Leben, das dachte ich zumindest. Es fühlte sich so oft an, als stünde ich still und würde mich nicht den kleinsten Zehntelzentimeter von der Stelle bewegen. Manchmal dachte ich, dass sowieso all die Bemühungen keinen Sinn haben.

Bis ich inne hielt und zurück blickte und den langen Weg sah, den ich schon zurückgelegt hatte!

Tatsächlich konnte ich eine ganze Zeit nicht erkennen, dass auch der neue Weg, den ich eingeschlagen hatte, Schritt für Schritt gegangen werden möchte und „ spürbare Ergebnisse“ ihre Zeit dauern.

Im Schmerz bin ich ja auch nicht von jetzt auf gleich wie durch Zauberhand mit einem Bääähm und Kawummm gelandet. Auch dahin bin ich Schritt für Schritt die Leiter in die Dunkelheit gegangen. Auch da haben „spürbare Ergebnisse“, wie zum Beispiel mein Zusammenbruch, ihre Zeit gedauert.

Es war ein langer Weg, bis mir ganz, ganz unten in der stockdunklen Kanalisation endlich ein kleines, schwaches Lichtlein aufgegangen ist.

Und als ich dieses Lichtlein wahrnahm und tief in meinem Inneren wusste, das es auch ein anderes, lichtvolleres Leben geben musste, bin ich wieder Schritt für Schritt die Leiter hochgegangen, die ich so mühsam 28 Jahre hinuntergeklettert bin.

Jetzt, erkenne ich, dass ich auf dem Weg in die Akzeptanz, Liebe und Hingabe bin.

Jetzt erst kann ich spüren und anerkennen, dass zu jeder Entscheidung auch ein langer Weg gehört.

Warte nicht auf den Riesenknall einer Veränderung, wenn Du Dich für einen anderen Weg entschieden hast,

sondern versuche anzuerkennen, dass 0,00001% Wegstrecke pro Tag, ja sogar weniger als das immer reichen und immer mehr als genug sind!

Einen wunderbaren und erkenntnisreichen Lebensweg wünsche ich Dir und umarme Dich herzlich.

 

Text: Birgit Keup
Bild: Pixabay

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