Wehe, wenn das Chaos ausbricht…

Fast jeden Morgen nehme ich mir Zeit für mich und gehe im Wald spazieren. Ich liebe den Wald. Hier komme ich zur Ruhe, hier lausche ich den Geräuschen, die einhergehen mit der Stille der Natur.

Heute jedoch war irgendwie alles ganz anders. Ich schaute mit einem anderen Blick, denn heute fiel mir auf, was ich zuvor noch nie richtig registriert hatte: im Wald ist es ganz schön chaotisch und unordentlich!

Blätter hängen verwelkt am Baum oder liegen verstreut auf dem Boden, überall liegen Äste rum. An manchen Stellen wächst Moos, an wieder anderen ist es matschig oder steinig… Nichts ist geordnet! Alles wirkt chaotisch und trotzdem ist es genau richtig, wie es ist.

Kein Mensch würde sich jemals über den unaufgeräumten, chaotischen Waldboden beschweren!

In unserem Leben allerdings, da soll es anders aussehen!

Wir werden geboren und nach kurzer Zeit ist unser Lebensweg meist beschlossene Sache. Nach dem Kindergarten kommt die Schule, danach Ausbildung, oder studieren, dann suchen wir uns eine Arbeit….und, und, und….

Wir werden von Kindesbeinen an auf ein geradliniges Leben vorbereitet, auf einen Lebensweg ohne Kurven, Sackgassen und Abzweigungen.

Alles soll geordnet sein! Chaos wird ganz und gar nicht akzeptiert!

Ganz im Gegenteil:

Wir urteilen über Menschen, die viele Arbeitsstellen hinter sich haben!

Wir urteilen über Menschen, in deren Wohnung nicht alles an seinem Platz liegt!

Wir urteilen über Menschen, deren Garten nicht „gepflegt“ ist!

Wir urteilen über Menschen, die die Schule nicht schaffen, oder die Ausbildung abbrechen!

Wir urteilen und urteilen…

Doch ist das realistisch? Ist das Leben geradlinig?

Nein, das ist es nicht! Das Leben ist voller Höhen und auch voller Tiefen!

Aber niemand bringt uns das bei!

Und was ist, wenn in unserem Leben das Chaos ausbricht?

Was passiert,

– wenn wir den Schulabschluss nicht schaffen?

– wenn wir die Ausbildung abbrechen?

– wenn wir die vermeintlich sichere Arbeitsstelle verlieren?

– wenn wir eine Arbeitsstelle nach der anderen antreten, weil keine passt?

Was passiert,

– wenn wir sehr krank werden?

– oder gar einen geliebten Menschen verlieren?

Und es gibt noch weitere unzählige Beispiele, die uns aus der Bahn werfen können,

weil wir  nicht auf holprige Lebenswege vorbereitet sind,

weil wir denken, dass es keine Widrigkeiten gibt,

weil wir denken, dass wir sicher sind und “es” nur den anderen passieren kann….(dabei sind wir gar nicht sicher! Im ungünstigsten Fall fliegt uns der Planet, auf dem wir durchs All rasen, um die Ohren!)

Die vielfältigen Möglichkeiten der ungünstigen Lebensumstände blenden wir aus, lieber verurteilen wir andere, die „aus dem Ruder laufen“, oder kommen nicht klar, wenn die gedachte Geradlinigkeit unseres vorgefertigten Lebensweges uns einen Strich durch die Rechnung macht.

Aber wir können jederzeit umdenken. Jeder einzelne von uns!

Wir können anfangen, uns auf krumme Wege einzulassen und zu akzeptieren!

Wir können anfangen, authentisch zu leben und unsere vermeintlich schwachen Seiten zu zeigen!

Wir können anfangen, nicht zu verurteilen, wenn andere Menschen ein „anderes“ Leben leben!

Wir können damit anfangen, überhaupt nicht mehr zu verurteilen!

Nie mehr!

Auch uns nicht!

Wir können jederzeit anfangen, am besten JETZT!

So, wie wir das Chaos in der Natur akzeptieren, können wir dies auch für uns tun, da es das einzig Natürliche ist!

 

Text: Birgit Keup

Foto: Pixabay

-TEILEN ERWÜNSCHT-

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